Die Frage kommt bei jeder Gründung: Einzelunternehmen, GbR, UG oder doch gleich GmbH? Die Antwort entscheidet darüber, wie viel dein Start kostet, wie tief dein Privatvermögen im Risiko steht und wie viel Buchhaltung du ab Tag eins am Hals hast.
Diese Übersicht vergleicht elf Rechtsformen nach den Kriterien, die bei der Gründung wirklich zählen. Mit echten Gründungskosten in Euro statt „gering“ und „hoch“, und auf dem Rechtsstand nach dem MoPeG. Denn die meisten Tabellen, die du im Netz findest, sind älter als 2024 und liegen an mindestens drei Stellen falsch.
Rechtsformen im Vergleich: die Tabelle
Die Gründungskosten sind Spannen aus Notar-, Register- und Anmeldegebühren, ohne Beratungshonorar. Die Farbe in der Haftungsspalte zeigt, wie tief dein Privatvermögen im Risiko steht: rot heißt volle Privathaftung, gelb teilweise begrenzt, grün auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt.
| Rechtsform | Kapital | Haftung | Gründer | Register | Gründungskosten | Buchführung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Einzelunternehmen Kleingewerbe | keins | voll privat | 1 | nein | 20 – 65 € | EÜR |
| e. K. Eingetragener Kaufmann | keins | voll privat | 1 | Handelsregister A | 200 – 400 € | EÜR bis 800.000 € Umsatz und 80.000 € Gewinn, danach Bilanz |
| GbR Gesellschaft bürgerlichen Rechts | keins | voll privat gesamtschuldnerisch, jeder für alles | ab 2 | freiwillig | 20 – 65 € je Gesellschafter | EÜR |
| eGbR eingetragene GbR, seit 2024 | keins | voll privat | ab 2 | Gesellschaftsregister | 150 – 400 € | EÜR |
| PartG auch PartG mbB | keins | teilweise begrenzt mbB: Berufsfehler nur aus Gesellschaftsvermögen | ab 2 | Partnerschaftsregister | 300 – 600 € | EÜR |
| OHG Offene Handelsgesellschaft | keins | voll privat gesamtschuldnerisch | ab 2 | Handelsregister A | 300 – 600 € | Bilanz |
| KG Kommanditgesellschaft | Kommanditeinlage frei wählbar | gemischt Komplementär voll, Kommanditist nur bis zur Einlage | ab 2 | Handelsregister A | 300 – 700 € | Bilanz |
| GmbH & Co. KG KG mit GmbH als Vollhafter | 25.000 € für die Komplementär-GmbH | beschränkt keine natürliche Person haftet voll | ab 2 | Handelsregister A + B | 1.500 – 2.500 € | Bilanz für beide Gesellschaften |
| UG (haftungsbeschränkt) Mini-GmbH | ab 1 €, realistisch 1.000 € Startpolster | beschränkt erst ab Handelsregister-Eintrag | ab 1 | Handelsregister B | 300 – 800 € | Bilanz, dazu 25 % vom Jahresüberschuss in die Rücklage bis 25.000 € erreicht sind |
| GmbH Gesellschaft mit beschränkter Haftung | 25.000 €, davon 12.500 € bei Gründung | beschränkt erst ab Handelsregister-Eintrag | ab 1 | Handelsregister B | 800 – 1.500 € | Bilanz |
| AG Aktiengesellschaft | 50.000 € | beschränkt | ab 1 | Handelsregister B | ab 2.500 € | Bilanz, Vorstand und Aufsichtsrat verpflichtend |
Die Haftungsfalle bei GmbH und UG
Die Haftungsbeschränkung greift erst mit dem Eintrag ins Handelsregister. Wer vorher im Namen der Gesellschaft Verträge schließt, haftet persönlich. Und auch danach haftet der Geschäftsführer privat, wenn er Sozialabgaben nicht abführt, die Insolvenz verschleppt oder Steuern hinterzieht.
Dazu kommt bei der UG die Rücklagenpflicht, die in den meisten Übersichten fehlt: Du musst jedes Jahr 25 Prozent deines Jahresüberschusses in eine gesetzliche Rücklage legen, bis du bei 25.000 Euro angekommen bist. Erst dann kannst du in eine GmbH umwandeln oder die Rücklage stoppen. Das heißt im Klartext: Ein Viertel deines Gewinns ist erst mal gesperrt.
Was sich zuletzt geändert hat
Wenn du eine ältere Rechtsform-Tabelle vor dir hast, liegt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit an diesen vier Stellen falsch.
Januar 2024: Die GbR ist rechtsfähig und kann sich eintragen lassen
Das Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrechts, kurz MoPeG, hat das gesamte Personengesellschaftsrecht umgebaut. Seither gibt es das Gesellschaftsregister und damit die eingetragene GbR, die eGbR. Der Eintrag ist freiwillig, aber wer als GbR ein Grundstück, GmbH-Anteile oder Marken erwerben will, kommt nicht mehr daran vorbei.
Januar 2024: Freiberufler dürfen OHG und KG gründen
Vorher war das gesperrt, Freiberufler blieben auf GbR oder Partnerschaftsgesellschaft festgelegt. Jetzt geht auch OHG und KG, sofern das jeweilige Berufsrecht es zulässt.
2024: Die Buchführungsgrenze steigt auf 800.000 Euro
Das Wachstumschancengesetz hat die Schwelle des Paragraf 241a HGB von 600.000 auf 800.000 Euro Umsatz und von 60.000 auf 80.000 Euro Gewinn angehoben. Deutlich mehr Einzelkaufleute bleiben damit bei der einfachen Einnahmenüberschussrechnung und müssen keine Bilanz aufstellen.
Januar 2025: Neue Grenzen für Kleinunternehmer
Statt 22.000 und 50.000 Euro gelten jetzt 25.000 Euro Vorjahresumsatz und 100.000 Euro im laufenden Jahr. Achtung bei der zweiten Zahl: Wird die 100.000-Euro-Grenze unterjährig gerissen, endet die Kleinunternehmerregelung sofort mit dem Umsatz, der sie überschreitet. Nicht erst zum Jahreswechsel. Wie das konkret in der Praxis aussieht, steht im Artikel zur Kleinunternehmerregelung.
Die kurze Antwort für vier typische Fälle
Du startest allein, nebenberuflich, ohne Kapital
Einzelunternehmen. Anmelden, loslegen, keine Notarkosten. Solange du keine Ware auf Lager legst und keine großen Verträge unterschreibst, ist das Haftungsrisiko überschaubar. Wechseln kannst du immer noch, und das ist der Punkt: Die meisten überlegen zu lange über die perfekte Rechtsform, statt erst mal zu verkaufen.
Du verkaufst physische Produkte an Endkunden
UG, sobald es läuft. Produkthaftung, Abmahnungen und Retouren treffen sonst dein Privatvermögen. Der Wechsel lohnt in dem Moment, in dem dein Umsatz die 300 bis 800 Euro Gründungskosten klar trägt. Womit du dich sonst noch absichern solltest, steht bei den E-Commerce-Risiken.
Ihr seid zu zweit und wollt schnell starten
GbR, aber mit Vertrag. Der Gesellschaftsvertrag ist nicht vorgeschrieben, aber ohne ihn haftet jeder für alles, was der andere entscheidet. Das ist die teuerste Ersparnis, die es in dieser ganzen Tabelle gibt.
Du hast 25.000 Euro und willst Personal einstellen
GmbH. Ab hier zahlt sich die Form aus: klare Haftungsgrenze, Kunden und Banken nehmen dich anders wahr, und du kannst dir ein Geschäftsführergehalt zahlen, das den Gewinn drückt.
Welche Rechtsform passt für Print-on-Demand?
Wer über Amazon KDP, Merch on Demand oder einen eigenen Shop verkauft, hat eine Besonderheit: Du produzierst nichts selbst, hast kein Lager und keine Vorkasse. Das senkt das finanzielle Risiko dramatisch, verschiebt es aber auf zwei andere Felder.
- Marken- und Urheberrecht. Ein Design mit einem geschützten Begriff kostet dich schnell vierstellig. Hier haftest du als Einzelunternehmer voll privat.
- Produktsicherheit. Seit der GPSR trägst du Pflichten als Hersteller oder Importeur, auch wenn ein Dienstleister druckt.
Mein Rat aus der Praxis: Starte als Einzelunternehmen. Solange du im dreistelligen oder niedrigen vierstelligen Monatsumsatz bist, sind 800 Euro Gründungskosten für eine UG schlecht investiertes Geld, das dir beim Aufbau fehlt. Wechsle in die UG, wenn du eigene Designs in Masse hochlädst, einen eigenen Shop mit Endkundenkontakt betreibst oder in Bereiche gehst, in denen abgemahnt wird.
Die steuerliche Seite der Gründung, von der Anmeldung beim Finanzamt bis zum Fragebogen zur steuerlichen Erfassung, habe ich im Artikel Print-on-Demand-Business gründen Schritt für Schritt aufgeschrieben. Wenn du über Amazon in den USA verkaufst, kommt das Thema Reverse Charge dazu.
Häufige Fragen zu den Rechtsformen
Welche Rechtsform ist für Gründer am günstigsten?
Das Einzelunternehmen. Es kostet nur die Gewerbeanmeldung von 20 bis 65 Euro, braucht kein Startkapital, keinen Notar und keinen Handelsregistereintrag. Der Preis dafür ist die volle Haftung mit deinem Privatvermögen.
Was ist der Unterschied zwischen UG und GmbH?
Rechtlich sind beide fast identisch, die UG ist eine Variante der GmbH. Der Unterschied liegt im Kapital: Die GmbH braucht 25.000 Euro Stammkapital, die UG startet ab einem Euro. Dafür muss die UG jedes Jahr 25 Prozent ihres Gewinns zurücklegen, bis 25.000 Euro erreicht sind.
Kann ich die Rechtsform später wechseln?
Ja, und das ist der Normalfall. Vom Einzelunternehmen in eine UG oder GmbH zu wechseln ist gängige Praxis. Seit dem MoPeG kann sich auch eine eingetragene GbR direkt in eine GmbH umwandeln. Der Wechsel kostet Notar- und Beratungsgebühren, ist aber deutlich billiger als eine falsche Rechtsform über Jahre mitzuschleppen.
Ab wann muss ich eine Bilanz aufstellen?
Als Einzelkaufmann erst, wenn du an zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren über 800.000 Euro Umsatz oder 80.000 Euro Gewinn liegst. Kapitalgesellschaften wie UG, GmbH und AG müssen dagegen ab dem ersten Tag bilanzieren, unabhängig vom Umsatz.
Brauche ich als GbR einen schriftlichen Gesellschaftsvertrag?
Vorgeschrieben ist er nicht, eine GbR entsteht formlos. Ohne Vertrag gelten aber die gesetzlichen Regeln, und die heißen: Jeder Gesellschafter haftet gesamtschuldnerisch für alles, was der andere entscheidet. Bei Streit oder Ausstieg wird es ohne Vertrag teuer.
Die Übersicht als PDF
Die komplette Tabelle gibt es als PDF zum Ausdrucken, auf dem Stand von August 2026. Praktisch, wenn du sie zum Steuerberater oder zur IHK-Beratung mitnehmen willst.
Platzhalter: Hier kommt das Thrive-Leads-Formular für den PDF-Download rein.
Wichtiger Hinweis
Diese Übersicht ist kein Rechts- oder Steuerrat. Sie ordnet die Rechtsformen nach den Kriterien, die bei einer Gründung zuerst anfallen. Welche Form in deinem konkreten Fall die günstigste ist, hängt von Umsatz, Gewinn, Risiko und deiner persönlichen Steuersituation ab. Das klärst du mit deinem Steuerberater oder in einer kostenlosen Erstberatung bei deiner IHK. Rechtsstand August 2026.

